"Musterachse" in der Dickenreishauser Kirche

Besucher der Dickenreishauser Kirche ist es sicher schon aufgefallen: Die eine Hälfte der Empore ist eingerüstet. Momentan sind Stukkateur und Kirchenmaler damit beschäftigt, eine sogenannte "Musterachse" anzulegen. Schon länger ist ja eine Innenrenovierung geplant. Um beurteilen zu können, wie eine renovierte Kirche innen aussehen könnte, wird auf einer Teilfläche ein Muster angelegt.

Stuck in Indigo-Blau
Bildrechte: Evang.-Luth.Kirchengemeinde Dickenreishausen

Problematisch am derzeitigen Zustand ist, dass bei der letzten "großen" Renovierung in den Jahren 1896 bis 1899 eine Leimfarbe aufgetragen wurde. Auch die damals entstandenen beiden Deckengemälde sind aus Leimfarbe. Diese ist im Gegensatz zu Kalkfarbe allerdings nicht dauerhaft haltbar: Sie ist wasserlöslich, vor allem aber schwindet im Lauf der Jahrzehnte die Bindekraft der Farbe, die Oberfläche kreidet ab. Genau dies ist in unserer Kirche zu beobachten.

Für die Musterachse wird die Leimfarbe abgewaschen und ein neuer Farbanstrich mit Kalkfarbe vorgenommen. Im Gespräch mit dem Denkmalamt soll dann geklärt werden, wie die künftige Farbgebung der Kirche aussehen könnte: Renoviert man das ursprüngliche Aussehen der Kirche aus dem Jahr 1752, den Zustand nach der ersten großen Sanierung 1822 oder den Bestand von 1899?

Putte mit abkreidender Leimfarbe
Bildrechte: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Dickenreishausen
Bereits angelegte kleine Musterachse
Bildrechte: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Dickenreishausen

Eines haben die Arbeiten schon ergeben: Der Stuck in der Dickenreishauser Kirche ist nicht nur außergewöhnlich gut erhalten. Es hat sich heraus gestellt, dass er wohl von Johann Georg Übelhör stammt - einem Meister seines Fachs und zeitgleich beschäftigt in Maria Steinbach. Wir verfügen mit damit über ein echtes Kleinod des Barocks!